Holzspielzeug für Kleinkinder – häufig schadstoffbelastet

Holzspielzeug gilt als langlebig und in pädagogischer Hinsicht als besonders wertvoll für Kinder. Die schönen Holzteile werden beim Spielen häufig in die Hände und in den Mund genommen. Daher sollten diese sicher und frei von Schadstoffen sein. Bedenklich wegen einer möglichen Schadstoffbelastung kann jedoch das Material und die Verarbeitung sein.

Holzspielzeug – strenge Vorgaben für die Sicherheit

Für Spielzeug gelten strenge Kriterien. Es muss den hohen Sicher­heits­anforderungen für die Kleinsten genügen. Für die Sicherheit der Kinder sollten sich keine Kleinteile lösen, an denen sie sich verschlucken oder ersticken könnten. Darüber hinaus sollte das Spielzeug frei von Schadstoffen sein, da sich gesundheitliche Auswirkungen meist erst später zeigen. Anders als bei Plastikspielzeugen, die häufiger nach verdächtigen giftigen Stoffen riechen, sind Schadstoffe bei Holzspielzeug kaum wahrnehmbar.

Wenn Kinder mit Holzspielzeug spielen, haben sie einen besonders intensiven Kontakt mit den Teilen. Besonders gefährdet sind Kleinkinder. Sie fassen die Holzteile häufiger an und nehmen sie in den Mund, um daran zu knabbern und zu lutschen. Dadurch können sie eher schädliche Stoffe einatmen und durch Anfassen über die Haut Schadstoffe aufnehmen.


Schadstoffe bei Holzspielzeug

Das Material sowie seine behandelte Oberfläche können einen erheblichen Anteil an der Schadstoffbelastung eines Spielzeugs haben. Zu den möglichen Schadstoffen zählen beispielsweise Formaldehyd, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Nickel, nitrosierbare Stoffe und Organozinnverbindungen.


Holzspielzeug auf dem Prüfstand – Test Stiftung Warentest

Die Stiftung Warentest berichtete in ihrer Dezember-Ausgabe 2023 über ihren umfangreichen Test zu Holzspielzeug für Ein- bis Dreijäh­rige und hat diese bestimmten Sicher­heits­tests und Schadstoffanalysen unterzogen. Sie untersuchte 15 Spiele, darunter waren beispielsweise Bauklötze, Holzeisenbahnen, Motorikspielzeug, Nach­ziehfiguren, Puzzles und Schiebefiguren.

Die Tester prüften, ob diese Holzteile für Kleinkinder eine Gefahr darstellen. Daher untersuchten sie, ob sich möglicherweise Kleinteile vom Spielzeug lösen und verschluckt werden können. Darüber hinaus prüften sie, ob Spielteile leicht entflammbar waren oder Schadstoffe enthielten. Für diesen Warentest führten sie über 200 Belastungs­tests und 1000 chemische Prüfungen an den Holzspielsachen durch.


Testergebnis

Nach den Belastungstests und den chemischen Analysen der 15 Spielzeuge aus Holz hat die Stiftung Warentest bei einem Drittel vom Gebrauch und somit vom Spielen abgeraten, da sie durch den Test gefallen sind. Sie fanden bei fünf Spielsachen kritische Werte an Schadstoffen aus Lack, Sperrholz oder Textilien.

Bei den Farbmitteln ermittelten sie krebsverdächtige Substanzen wie Dimethoxybenzidin und Nonylphenolethoxylaten (NPE), Anilin, starke Ausdünstungen an Formaldehyd, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sowie den Weichmacher DINP über das erlaubte Maß. Die Tester warnten, dass diese schädlichen Stoffe über die Haut oder durch das Knabbern und Lutschen in den Körper gelangen und die Gesundheit schädigen können. Zahlreiche PAK gelten als potenziell toxisch. Sie sind krebserregend, können fortpflanzungsschädigend und erbgutverändernd sein. Besonders bei Holzspielzeugen, bei denen Sperrholz verwendet wird, kommen Ausgasungen von Formaldehyd häufiger vor. Formaldehyd kann Atemwegsreizungen verursachen und langfristig Krebs auslösen.


Einkauf von unbedenklichem Holzspielzeug

Holzspielsachen aus unbehandeltem Vollholz bzw. Massivholz sind optimal für Kinder geeignet, da diese frei von Schadstoffen sind. Hingegen können Holzwerkstoffe wie Sperrholz oder Pressspan häufiger mit schädlichem Formaldehyd belastet sein.

Auch Holzspielzeug, das nur mit Öl nachbehandelt, mit Farben auf Wasserbasis gefärbt oder mit Pflanzenfarben behandelt wurde, ist ungiftig für Kinder.


Prüfzeichen und Siegel bei Spielzeug beachten

Um möglichst unbelastete Spielsachen aus Holz ohne Schadstoffe zu kaufen, ist es hilfreich, auf bestimmte Prüfzeichen und Siegel zu achten, sofern diese Produkte damit gekennzeichnet sind. Bei einigen dieser Zeichen sind die Prüfkriterien, insbesondere für die Tests auf Schadstoffe, jedoch nicht eindeutig bekannt.

Blauer Engel

Das Umweltsiegel Blauer Engel“ auf Holzspielzeug bedeutet, dass dieses Produkt im Vergleich zu anderen strengere Anforderungen erfüllt, die über den europäischen Spielzeugrichtlinien liegen. Der Blaue Engel gilt als das sicherste Siegel, da für die Prüfung auf Schadstoffe in einigen Fällen strengere Grenzwerte angesetzt werden, die oft über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen. Bisher haben nur wenige Spielzeughersteller ihre Produkte mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ für Spielzeug freiwillig prüfen und kennzeichnen lassen.

CE-Kennzeichnung

Das Kennzeichen CE (= Communauté européenne) ist in Europa verpflichtend für die Hersteller, die ihre Produkte in der EU vermarkten möchten. In der Regel kennzeichnen sie diese Produkte selbst und bestätigen so, dass diese den gesetzlichen Anforderungen der EU entsprechen. Es ist somit kein Prüfsiegel. Ob ein Spielzeug nicht mit schädlichen Stoffen belastet ist, lässt sich daher an einer CE-Kennzeichnung nicht sicher ableiten, da zumeist keine weiteren unabhängigen Tests durch eine Kontrollstelle erfolgen. Lediglich etwa 10 bis 15 % der CE-Erklärungen werden extern von einer behördlich anerkannten Stelle überprüft. Dann trägt das Label neben dem CE-Zeichen auch eine Kennnummer.

Geprüfte Sicherheit: GS-Zeichen

Das staatliche Siegel GS für „Geprüfte Sicherheit“ garantiert, dass beim Spielzeug die gesetzlichen Anforderungen hinsichtlich Sicherheit und Schadstoffe eingehalten werden. Das GS-Siegel ist mit der Angabe einer unabhängigen zertifizierten Prüfinstitution mit Prüfnummer wie TÜV Rheinland oder TÜV SÜD versehen. Das CE-Siegel kann zusätzlich zum obligatorischen CE-Zeichen stehen.


LGA-Qualitätszertifikat

Beim LGA-Qualitätszertifikat entsprechen die Sicherheitsprüfungen den geltenden Gesetzen wie für Spielwaren. Diese werden dabei auf bestimmte Aspekte wie auf Belastbarkeit, Entflammbarkeit, Schadstoffgehalt und Reinigungsfähigkeit geprüft und mit dem neutralen Prüfzeichen „LGA tested“ ausgezeichnet. Dieses Zertifikat bietet eine Orientierungshilfe für den Einkauf von Spielsachen.


TÜV Rheinland / TÜV Süd EN 71 zertifiziertes Spielzeug

Die TÜV-Unternehmen, TÜV Rheinland und TÜV Süd, prüfen das Spielzeug nach den hier geltenden europäischen Sicherheitsbestimmungen. Diesem Test können sich die Hersteller oder Importeure freiwillig unterziehen. Bei den TÜV-Zeichen ist sicher, auf welche Schadstoffe die Spielsachen geprüft wurden und ob Grenzwerte über die gesetzlichen Regelungen hinausgehen. Sie haben auch eigene Kriterien und prüfen danach auch kritische Stoffe, auch wenn sie nicht verboten sind. Bei den polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) liegen die Prüfkriterien des TÜV-Siegels hinter der Auszeichnung mit dem GS-Siegel. Im Vergleich zum CE-Zeichen werden bei den TÜV-Zeichen die gesetzlichen Bestimmungen überprüft.


GSA Messgerät SG350ex zur Messung von Formaldehyd

Bei einem Verdacht auf Formaldehyd in der Innenraumluft, das sich beispielsweise aus Sperrholz-Möbeln oder Böden in die Luft freisetzen kann, sind Probenahmen unter Einsatz eines speziell geeigneten Messgeräts wie mit dem SG350ex sinnvoll. Das GSA Messgerät SG350ex ist für die stationäre und personengetragene Probenahme einsetzbar. Da häufig billige Holzwerkstoffe wie Spanplatten für die Einrichtung verwendet werden, steigt damit auch die Gefahr gesundheitsschädliche Stoffe wie Formaldehyd über einen längeren Zeitraum aufzunehmen und daran zu erkranken.

Wenn Sie einen Rundumservice inkl. Probennahme, Beratung und Auswertung brauchen ohne ein eigenes Messgerät kaufen zu wollen, können Sie auch unser Schwesterunternehmen GSA Schadstoffanalytik damit beauftragen. Nutzen Sie hierfür einfach das Kontaktformular.

Quellen:

Bildquelle Beitragsbild: 123rf.com © dekazigzag, Bild Nr. 188057018

www.aok.de/pk/magazin/familie/baby-kleinkind/schadstofffreies-spielzeug-beim-kauf-erkennen/

www.bam.de/Content/DE/Paper-des-Monats/2021/Umwelt/2021-05-01-paper-des-monats-umwelt.html

www.bund.net/themen/chemie/toxfox/spielzeugsiegel/

www.familie.de/kleinkind/holzspielzeug-im-fokus-stiftung-warentest-schlaegt-alarm-bei-diesen-5-produkten–01HG0G57B4E21MBCST7M73FH80

www.oekotest.de/kinder-familie/Gutes-Spielzeug-Diesen-Guetezeichen-Siegeln-koennen-Sie-vertrauen_105597_1.html

www.test.de/Holzspielzeug-Die-Haelfte-birgt-Gefahren-4633745-0/

www.t-online.de/leben/testberichte/id_100289386/stiftung-warentest-dieses-holzspielzeug-ist-mit-schadstoffen-belastet.html

www.utopia.de/ratgeber/holzspielzeug-bei-stiftung-warentest-jedes-dritte-ist-schadstoffbelastet_610411/

www.vis.bayern.de/produkte_energie/marktueberwachung/spielzeug_gesetz_vorgaben.htm