Mit der Adventszeit verbindet man das warme, behagliche Kerzenlicht von Wachskerzen, das eine besinnliche Stimmung verbreitet. Besonders beliebt sind Duftkerzen, die intensiv nach unterschiedlichen Aromen riechen und für eine festliche Atmosphäre sorgen. Beim stundenlangen Abbrennen können Wachskerzen jedoch gesundheitlich belastende Schadstoffe in die Raumluft abgeben. Dabei ist entscheidend, aus welchen Materialien die Kerzen bestehen und wie sie verbrennen. Schon bei der Auswahl sollte man darauf achten, aus welchen Inhaltsstoffen und welcher Art von Wachs die Kerzen bestehen.
Schadstoffe beim Kerzenbrand
Beim Abbrennen einer Kerze wird über längere Zeit viel Sauerstoff verbraucht. Kritisch für die Gesundheit, vor allem für Asthmatiker und Allergiker, wird es dann, wenn beim Brennen belastende Schadstoffe wie Feinstaub, Kohlendioxid, Stickoxide und flüchtige Kohlenwasserstoffe freigesetzt werden, die eingeatmet werden. Auch Benzol, Toluol, Formaldehyd sowie Duftstoffe und deren Oxidationsprodukte können, insbesondere bei farbigen oder duftenden Kerzen, in die Atemluft gelangen. Besonders beim gleichzeitigen Brennen einer größeren Menge an Kerzen können Grenzwerte überschritten werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt davor, dass Kerzen allergene Inhaltsstoffe wie Duftstoffe oder Nickel enthalten können, die beim Abbrennen allergische Reaktionen auslösen. Es kann zudem zu Entzündungen, Reizungen der Atemwege und weiteren Belastungen der Lunge kommen. Bereits bestehende Erkrankungen wie Asthma können sich verstärken.
Ultrafeine Feinstaubpartikel – unterschätzte Gefahr
Die im Kerzenrauch enthaltenen Feinstaubpartikel sind ultrafein (PM 0.01, etwa 10 Nanometer im Durchmesser) und können tief in die Atemwege bis in den Blutkreislauf eindringen. Besonders belastend wird es, wenn sich durch das Abbrennen die Konzentration von Feinstaub um das 10- bis 20-Fache erhöht und über viele Stunden im Raum eingeatmet wird. Diese Situation kann für Menschen mit Atemwegserkrankungen oder Allergien gesundheitlich problematisch sein. Im Vergleich zum schädlichen Tabakrauch sind die Feinstaubpartikel aus Kerzenrauch noch feiner und gesundheitlich bedenklicher.
Auswahl von Wachskerzen
Hinsichtlich ihrer Zusammensetzung und möglichen Schadstoffbelastung können Wachskerzen stark variieren:
Paraffinkerzen
Die meisten Kerzen enthalten Paraffin, das überwiegend als Nebenprodukt der Erdölverarbeitung anfällt. Paraffin ist ein brennbarer, wachsartiger Stoff, der geruchs- und geschmacklos und wasserabweisend ist. Besonders gesundheitlich kritisch sind die möglichen giftigen Verbrennungsstoffe. Einer dieser Schadstoffe ist das bei der Verbrennung von Paraffinkerzen entstehende VOC Benzol, das in der Regel eher im Straßenverkehr nachgewiesen wird. Benzol wird laut der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als krebserregend für den Menschen eingestuft.
Auch Teelichter, die zumeist aus Paraffinkerzen bestehen, gelten als gesundheitlich kritisch. Nach dem BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) können diese mit ihrem höheren Schwefelgehalt mehr Schadstoffe freisetzen und allergieähnliche Reaktionen hervorrufen.
Stearinkerzen
Eine weitere Variante sind Stearinkerzen. Sie werden aus pflanzlichen und tierischen Fetten hergestellt und enthalten häufig Palmöl. Stearinkerzen besitzen eine längere Brenndauer und höhere Festigkeit. Darüber hinaus sollen sie im Vergleich zu Paraffinkerzen weniger schädlichen Ruß im Feinstaub freisetzen.
Kerzen aus Recycling-Stoffen
Es werden insbesondere Kerzen angeboten, die aus recycelten Öl- und Fettabfällen gewonnen und ressourcenschonend hergestellt wurden.
Bienenwachskerzen
Bienenwachskerzen werden ausschließlich aus Wachs von Honigbienenwaben gewonnen. Nur Kerzen aus reinem Bienenwachs dürfen als „Bienenwachskerzen“ verkauft werden. Sie sind die umweltfreundlichste Variante, vor allem, wenn das Wachs aus einer Bio-Imkerei stammt.
Sojawachskerzen und Rapsölkerzen
Sojawachskerzen werden aus dem Öl von Sojabohnen hergestellt, die zumeist aus den USA stammen. Sie brennen langsamer als vergleichbare Paraffinkerzen. Wachskerzen aus Rapsöl sind ebenfalls nachhaltig, da sie aus landwirtschaftlichen Produkten gewonnen werden. Sie bieten den Vorteil eines geringeren CO₂-Abdrucks und gelten als umweltverträglicher, da Raps meist in Europa angebaut wird. Wie Bienenwachskerzen entwickeln sie deutlich weniger Ruß als Paraffinkerzen.
Duftkerzen
Vor allem in der Winterzeit sind Duftkerzen mit Aromen besonders beliebt.
Duftkerzen sind in der Regel noch gesundheitsschädlicher als herkömmliche Wachskerzen, da sie häufig mit zusätzlichen problematischen Inhaltsstoffen wie Lacken und Duftstoffen belastet sind. Sie können beispielsweise krebserregendes Formaldehyd (etwa in Zitronenduftstoffen), schädliche Flammschutzmittel, halogenorganische Verbindungen oder Schwermetalle enthalten.
RAL-Gütezeichen
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, beim Kauf von Kerzen auf das RAL-Gütesiegel zu achten. Die „Gütegemeinschaft Kerzen“ vergibt das RAL-Gütezeichen (Norm: RAL-GZ 041). Hiermit werden Kerzen ausgezeichnet, die bestimmten Qualitätsstandards entsprechen und nur geringe Schadstoffemissionen garantieren. Sie müssen aus geprüften Rohstoffen bestehen und dürfen keine PAK, Schwermetalle oder Schwefel enthalten. Darüber hinaus dürfen sie nur wenig Rauch- und Ruß beim Abbrennen entwickeln.
Tipps zum Umgang mit Wachskerzen
- Am besten reine Wachskerzen verwenden, da sie am umweltfreundlichsten sind. Die beste Wahl sind Wachskerzen aus reinem Bienenwachs.
- Auf mögliche schädliche Zusatzstoffe in den Kerzen achten.
- Möglichst keine Kerzen mit zusätzlichen Dekorationen wie Farben, Glitter oder Duftstoffen verwenden.
- Genügend Abstand halten: Mindestens 10 cm zwischen brennenden Kerzen, damit sie ausreichend Sauerstoff erhalten und weniger Rauch entwickeln.
- Zugluft vermeiden: Flackernde Flammen führen zu stärkerer Rußbildung und Freisetzung von Schadstoffen wie Formaldehyd, PAK, Stickoxiden und Ruß.
- Den Docht möglichst kurz halten (ca. 10–15 mm), um Flackern zu vermeiden.
- Zum Löschen den Docht in das flüssige Wachs tauchen und wieder aufrichten.
- Nach dem Kerzenbrand ausgiebig lüften.
Quellen:
Bildquelle Beitragsbild: 123rf.com © huandi, Bild Nr. 24324893
www.bfr.bund.de/cm/343/blei-nickel-und-allergene-duftstoffe-in-kerzen-sollten-begrenzt-werden.pdf
www.br.de/radio/bayern1/inhalt/experten-tipps/umweltkommissar/kerze-wachs-palmoel-stearin-russ-umweltkommissar-100.html
www.daab.de/2024/12/kerzen-und-asthma-winterzeit-ist-kerzenzeit
www.de.statista.com/outlook/cmo/moebel/home-decor/kerzen/deutschland
www.energie-umwelt.ch/haus/kinderzimmer/mueckenvertreiber?id=774
www.green-lifestyle-magazin.de/nachhaltige-kerzen-aus-bienen-oder-sojawachs/
www.krebsinformationsdienst.de/fachkreise/nachrichten/detail/krebs-durch-kerzen-besteht-ein-risiko
www.quarks.de/umwelt/wie-nachhaltig-koennen-kerzen-sein/
www.ral.de/guetezeichen-von-a-z/guetezeichen-uebersicht/gz-041/ www.spektrum.de/news/kerzen-ein-feinstaub-freisetzendes-lichtlein-brennt/2090643
www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/wohnen/kerzen-schadstoffe-vermeiden-78123
www.zdf.de/nachrichten/ratgeber/kerzen-schadstoffe-advent-100.html