Dieselmotoremissionen (DME) – Was sagen Ärzte dazu?

Was sind DME?

Dieselmotoremissionen (kurz DME) sind die Abgase eines Dieselmotors, die durch dessen Betrieb entstehen. Dabei handelt es sich um ein Stoffgemisch unterschiedlichster Zusammensetzung. Jedoch gibt es Stoffe, die immer enthalten sind, dazu zählen Kohlenstoffdioxid, Kohlenstoffmonoxid, Stickstoffoxide und Dieselruß (EC). Es variieren die Mengenanteile der jeweiligen Stoffe in Abhängigkeit der Motorart.

Welche Gefahren bergen DME?

Eine pauschale Gefahr lässt sich wegen der schwankenden Inhaltsstoffe nicht beschreiben. Allerdings kann man für die Hauptbestandteile Angaben machen. Zum einen sind das die Kohlenstoffoxide. Als Kohlenstoffmonoxid (CO) ist es giftig. Liegen sie als Kohlenstoffdioxid vor, kann es zum Ersticken führen. CO2 hat eine höhere Affinität sich an die roten Blutkörperchen zu setzen als O2. So verdrängt es die Sauerstoffmoleküle im Blut und führt zum Erstickungstod bei längerer Exposition. Zum anderen sind Stickstoffoxide enthalten, welche ebenfalls giftig sind und reizend auf die Schleimhäute wirken, da sie in Verbindung mit Wasser Säuren bilden und Verätzungen verursachen.

Debatte um die Messwerte

Aufgrund der Debatte um die Überschreitung der Grenzwerte und dem damit einhergehenden drohenden Fahrverbot für Dieselfahrzeuge ist die Diskussion um DME in aller Munde. Dass Stickoxide schädlich sind, steht außer Frage. Fraglich ist jedoch die Höhe des Grenzwerts. Ein Teil der Diskussion bezieht sich auf die Messung selbst, ob diese denn auch aussagekräftig durchgeführt wurde. Um eine Belastung der Atemluft nachweisen zu können, sollte die entsprechende Messung eben in Atemhöhe stattfinden. Dies bestätigen auch unsere Messtechniker, die regelmäßig Messungen am Arbeitsplatz durchführen, bzw. Arbeitgeber in diesem Punkt beraten (Kontakt zu unseren Messtechnikern können Sie hier aufnehmen). Wenn die Messstationen an einer vielbefahrenen Straße liegen, ist die Exposition natürlich enorm. Aber ist diese Messung auch repräsentativ für die umliegenden Straßen, die weniger befahren sind? Wie vergleichbar sind Messwerte, die in unterschiedlichen Höhen ermittelt wurden? Solange es nicht zu einem einheitlichen und vergleichbaren Messverfahren führt, werden dies die Eckpunkte der Diskussion bleiben.

Was sagen die Ärzte dazu?

Der andere Teil der Diskussion wird durch verschiedene Ärzte getragen, die den geltenden Grenzwert offen anzweifeln. Derzeit gilt ein Wert für Stickstoffdioxid von 40µg/m³ Luft. In einer Stellungnahme beschreibt der bekannte Pneumologie-Professor Prof. Dr. med. Dieter Köhler die wesentlichen Punkte, die zu dieser Debatte führten. Zum einen scheinen die hohen Todeszahlen die mit NO2 in Verbindung gebracht werden systematischen Fehlern zu unterliegen, da die Praxisarbeit der Pneumologen „Tote durch Feinstaub und NOx, auch bei sorgfältiger Anamnese“ nie aufweise. Bei einer Todeszahl von gut 10.000/Jahr müsste diese Anamnese aber geläufiger sein.

An diesen Punkt setzt Köhler seine Argumentation an und beschreibt die Fehler der Datenauswertung.

  • Aus Korrelation wird Kausalität: Eine Vielzahl der Studien zur Luftverschmutzung gründet sich auf die Datensätze mit ähnlichem Muster.
  • Störfaktoren: Diese wurden nicht berücksichtigt, obwohl bekannt ist, dass Faktoren wie Rauchen, Lebensgewohnheiten und medizinische Betreuung die Krankheitshäufigkeit und Mortalität hundertfach stärker beeinflussen als die Risikoerhöhung durch Luftverschmutzung.
  • Schwellenwert und Toxizität: Die meisten Studien zur Luftverschmutzung weisen keinen Schwellenwert auf. Legt man aber die Toxizität zugrunde, müsste es (wie bei jedem Gift) einen solchen Wert geben. Ebenso müsste es ein mehr oder minder klares Symptombild der Vergiftung durch Stickstoffoxide geben. Das scheint es aber nicht zu gegeben und das Fehlen dieses Vergiftungsmusters spricht für die Einflüsse weiterer Störfaktoren, da auch nicht eindeutig zu erklären ist, wie Stickstoffdioxide eine solche Bandbreite an Krankheiten hervorrufen können.
  • Falsifikation: Im Normalfall müsste man zur Überprüfung der Studienergebnisse eine Falsifikation durchführen, d.h. Testgruppen gezielt mit sehr hohen und sehr niedrigen Dosen konfrontieren. Das ist ethisch natürlich nicht zu vertreten. Jedoch führt Köhler an, dass sich Raucher freiwillig einer sehr hohen Dosis aussetzen und somit durchaus eine solche Studie durchgeführt werden könnte.

Eine schädigende Wirkung bleibt unbestritten, allerdings werfen diese Argumentationspunkte ein neues Licht auf die geltenden Grenzwerte. Es wirft die Frage auf, wie sinnvoll und nützlich dieser Wert ist und ob nicht eine objektive Neubewertung der aktuellen Werte erfolgen sollte, besonders da in vielen Städten dadurch ein Fahrverbot droht. So sieht das auch Bundesverkehrsminister Scheuer (CSU), der ebenfalls eine Überprüfung der Messstandorte für sinnvoll hält. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak formuliert das etwas überspitzt, allerdings sehr zutreffend: „Wenn ich am Ende […] direkt das Messgerät in den Auspuff halte, dann ist das nicht repräsentativ für die Luft in einer Stadt“.

Quellen:
[1]: Quelle Beitragsbild: © Bartolomiej Pietrzyk / 123RF.com
[2]: https://blog.gsa-messgeraete.de/?p=1061&preview=true
[3]: https://www.chemie.de/lexikon/Stickoxide.html
[4]: https://www.bund.net/mobilitaet/schadstoffe/stickoxide/
[5]: https://www.lungenaerzte-im-netz.de/fileadmin/pdf/Stellungnahme__NOx_und__Feinstaub.pdf
[6]: https://www.aerzteblatt.de/archiv/200863/Feinstaub-und-Stickstoffdioxid-(NO-sub-2-sub-)-Eine-kritische-Bewertung-der-aktuellen-Risikodiskussion
[7]: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/100676/Schadstoffdebatte-spaltet-Regierung