Asbestose ist eine nicht heilbare Lungenerkrankung, die durch das Einatmen von Asbestfasern entsteht. Auch Jahrzehnte nach dem Asbestverbot im Jahr 1993 (31. Oktober 1993) in Deutschland wirken frühere Expositionen von Asbestfasern noch bis heute nach. Die hohe Gesundheitsgefahr durch Asbest besteht weiterhin, da viele Menschen bei Sanierungs‑ und Abbrucharbeiten immer noch mit alten und gesundheitsschädlichen asbesthaltigen Materialien in Kontakt kommen.
Asbest – Gesundheitsrisiko
Das Wort „Asbest“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „unvergänglich“. Diese Eigenschaft war in der Industrie hochgeschätzt. Aus den Fasern wurden viele industrielle Produkte und alltägliche Gebrauchsgüter gefertigt.
Nach aktuellen Schätzungen besteht etwa jedes vierte Gebäude, das noch vor dem Asbestverbot 1993 errichtet wurde, aus asbesthaltigen Materialien. Dies ist immer noch ein sehr hoher Anteil, der vor allem Gebäude der Nachkriegszeit bis zum Asbestverbot betrifft. Der einstige „Wunderstoff“, mit seinen vielen Verwendungsmöglichkeiten, gilt heute als toxisches Erbe. Eine dieser möglichen schweren Erkrankungen ist Asbestose, eine chronische, nicht heilbare Lungenerkrankung, die sich durch das Einatmen von Asbestfasern entwickeln kann.
Gefährliche Asbestexposition
Die Asbestexposition findet heute vor allem bei handwerksnahen Tätigkeiten wie Sanierungs-, Instandhaltungs- oder Abbrucharbeiten an älteren Gebäuden statt. Die Asbestfasern befinden sich nicht nur in Baustoffen wie Eternitplatten, sie finden sich beispielsweise zudem vielfach in Putzen, Spachtelmassen oder Fliesenklebern. Durch Tätigkeiten wie Bohren, Schleifen oder Abreißen können sich die winzigen Fasern freisetzen, die unsichtbar sind und somit lange Zeit unbemerkt bleiben. Sofern asbesthaltige Materialien ohne Schutzmaßnahmen bearbeitet werden, können hochgradig gesundheitsgefährdende Faserkonzentrationen in die Atemluft gelangen. Neben der allgemein eher beruflichen Belastung ist in selteneren Fällen auch eine Gefährdung im häuslichen Umfeld möglich, etwa durch die Mitnahme von Fasern an der Arbeitskleidung.
Entwicklung der Asbestose
Aufnahme und Einlagerung im Lungengewebe
Die Einatmung der Asbestfasern kann zur Asbestose führen, einer chronischen Vernarbung des Lungengewebes (Lungenfibrose). Die Asbestfasern wandern dabei nach dem Einatmen durch die Luftröhre in die Lunge, bis sie in das Gewebe gelangen. Die eingeatmeten Fasern kommen bis in die Alveolen (Lungenbläschen), in die tiefsten Lungenbereiche. Sie wirken dort in der Lunge wie mikroskopische Speere. Sie werden vom Immunsystem dort als Fremdkörper erkannt. Die Fasern ab einer Länge von mehr als 15 µm können nicht mehr vom Körper abgebaut oder abtransportiert werden. Stattdessen lagern sie sich ein und können dann schwere Erkrankungen wie Asbestose auslösen.
WHO-Fasern
Besonders gefährlich sind sogenannte WHO-Fasern (darunter Asbestfasern), die leicht einatembar sind und tief ins Gewebe eindringen und dort nahezu lebenslang verbleiben.
Als WHO-Faser werden Teilchen mit folgender Geometrie definiert:
- Länge: > 5 µm
- Durchmesser: < 3 µm
- Längen-Durchmesser-Verhältnis: > 3:1
Fibrosierung
Die wiederholte Immunreaktion führt aufgrund eingelagerter Fasern im Körper über Jahre zu einer Fibrosierung, der fortschreitenden Vernarbung des Lungengewebes. Das vernarbte Gewebe wird dabei immer unelastischer. Die entstandenen Vernarbungen schränken die Beweglichkeit der Lunge weiter ein und lösen Atembeschwerden aus. Aufgrund der langen Latenzzeit der Asbestose (Fibrose) von 15 bis 20 Jahren ist es kaum noch möglich die Ursache der Krankheitssymptome zu ermitteln.
Entwickung gesundheitlicher Beschwerden
Zunächst treten bei Belastung durch die Asbestose Kurzatmigkeit und vielfach trockener Husten sowie allgemeine Erschöpfung auf. Die durch Asbestose verursachten Gewebeveränderungen erhöhen nachweislich das Risiko für schwerwiegende Folgeerkrankungen. Hierzu zählen beispielsweise Lungenkrebs oder das Mesotheliom (bösartiger Tumor des Rippen- oder Bauchfells).
Asbestose als Berufskrankheit
Im Durchschnitt vergehen vom ersten Faserkontakt bis zur Erkrankung etwa 30 Jahre. Asbestose wird aufgrund ihrer extrem langen Latenzzeit ein diagnostisches und rechtliches Problem, da die Auslöser nur noch schwierig zu ermitteln sind.
Asbestverursachte Berufskrankheiten
Asbestverursachte Erkrankungen werden gesetzlich als Berufskrankheiten anerkannt. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) dokumentiert diese in herausgegebenen BK- (Berufskrankheiten)-Merkblättern.
Asbestbedingte Erkrankungen als Berufskrankheiten (BK-Bezeichnung):
- BK 4103: Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose) und Pleuraerkrankungen
- BK 4104: Lungenkrebs oder Kehlkopfkrebs in Verbindung mit Asbestose oder Pleuraerkrankung
- BK 4105: Mesotheliom des Rippenfells, Bauchfells oder Perikards
- BK 4114: Lungenkrebs durch Zusammenwirken von Asbestfaserstaub und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen
Berufskrankheit – Maßeinheit Faserjahre
Für die rechtliche Anerkennung einer Berufskrankheit ist die Gesamtdosis über das Arbeitsleben entscheidend. Diese wird in sogenannten „Faserjahren“ gemessen:
- 1 Faserjahr: 1 × 10⁶ Fasern/m³ × 1 Arbeitsjahr (240 Tage, 8 h/Tag)
- jedes Faserjahr zählt kumulativ über das gesamte Erwerbsleben
- kurze, hochbelastete Tätigkeiten können die Gesamtdosis an Faserjahren stark erhöhen
Ein Faserjahr entspricht somit der arbeitstäglichen, achtstündigen Einwirkung von einer Million WHO-Fasern pro Kubikmeter Luft über 240 Arbeitstage.
Asbestmessung mit GSA Messgerät SG12
Einwirkungen von Asbestfasern durch Asbestexposition am Arbeitsplatz oder zuhause werden erst in Jahrzehnten als mögliche Erkrankung erfasst. Die TRGS 519 (Technische Regel für Gefahrstoffe) schreibt den Nachweis sicherer Faserkonzentrationen ausdrücklich vor. Dies gilt für Sanierungen, Instandhaltungs- oder Abbrucharbeiten an asbesthaltigen Materialien.
Für die Asbestmessung ist das GSA Messgerät SG12 speziell geeignet. Darüber hinaus ist es passend für die Probenahme anorganischer faserförmiger Partikel wie KMF nach VDI 3492 und ISO 14966 entwickelt worden. Das SG12 ermöglicht Gefahrstoffmessungen mit hohen Volumenströmen und bewältigt auch große Strömungswiderstände, wie sie bei Fasermessungen nach VDI 3492 auftreten. Zudem eignet es sich für Partikelmessungen der Staubfraktionen A‑Staub und E‑Staub.
Quellen:
Bildquelle Beitragsbild: 123rf.com © thodonal, Bild Nr. 226957075
www. aug.dguv.de/gesundheitsschutz/asbest-gefaehrliche-altlasten/
www.baua.de/DE/Themen/Praevention/Koerperliche-Gesundheit/Berufskrankheiten/pdf/Merkblatt-4103.pdf
www.baua.de/DE/Themen/Praevention/Koerperliche-Gesundheit/Berufskrankheiten/pdf/Merkblatt-4104.pdf
www.baua.de/DE/Themen/Praevention/Koerperliche-Gesundheit/Berufskrankheiten/pdf/Merkblatt-4105.pdf
www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/TRGS/pdf/TRGS-519.pdf
www.dguv.de/medien/ipa/publikationen/ipa-journale/ipa-journale2022/ipa_journal_3_2022_krebsrisiko_asbest.pdf
www.dguv.de/ifa/fachinfos/asbest-an-arbeitsplaetzen/berufskrankheiten/index.jsp
www.de.wikipedia.org/wiki/Faserjahr
www.publikationen.dguv.de/forschung/ifa/ifa-report/2757/faserjahre-bk-report-1/2013
www.krebsinformationsdienst.de/krebs-vorbeugen/krebsrisiko-asbest
www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/wohnen/asbest-gefaehrlich-und-immer-noch-aktuell-48383www.baulinks.de/webplugin/2025/0954.php4
de.wikipedia.org/wiki/Asbestose